HIV-Leitfaden      Startseite : Inhaltsverzeichnis : Therapie : Spezifische Nebenwirkungen : Hypersensitivitätsreaktion
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Die Hypersensitivitätsreaktion unter Abacavir

Martin Hartmann

Die Hypersensitivitätsreaktion (HSR) zählt zu den systemischen Arzneimittelreaktionen. Bei der HSR werden neben makulopapulösen Exantheme Temperaturerhöhungen, eine grippale Symptomatik oder Laborabweichungen (z. B. Transaminasenerhöhung) beobachtet.

Inzidenz
Eine Hypersensitivitätsreaktion (HSR) tritt bei etwa 5% der Patienten mit einer Abacavir-haltigen Kombinationstherapie auf. Bislang wurden etwas 1015 Reaktionen (bei 26769 Patienten) dokumentiert. Darunter sind 112 Fälle, in denen die Hypersensitivitätsreaktion nach einer Reexposition auftrat.

Symptomatik und Diagnose
Mehr als 93% der Fälle traten innerhalb der ersten 6 Wochen, im Mittel nach 11 Tagen bei der Therapie mit Abacavir (enthalten in: Ziagen®, Trizivir®, Kivexa®) auf. Am häufigsten reagiert der Körper mit einem Exanthem (Hautausschlag), das nicht selten an Masern oder Röteln erinnert, aber erst im späteren Verlauf auftritt. Frühe Symptome sind unter anderem Fieber, Krankheitsgefühl und gastrointestinale Symptome. Respiratorische Symptome werden in etwa 20% der Fälle beobachtet. Gelegentlich treten auch Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen auf. Jeder 3. Patient mit einer Hypersensitivitätsreaktion hat keine Hauterscheinungen. Die Symptome nehmen mit jeder Tabletteneinnahme zu. An Laborabweichungen sind Leberenzym- und CK-Erhöhungen beschreiben. Nach Absetzen von Abacavir verschwinden die Symptome rasch. bei einer Reexposition sind die Symptome ähnlich wie bei der Erstexposition, verlaufen jedoch schwerer, Blutdruckabfall und Tachykardie sind deutlich häufiger.
Zwei oder mehr der folgenden Symptome müssen vorhanden sein:
Exanthem, grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Müdigkeit, Muskel- oder Kopfschmerzen oder eine Rachenentzündung, Husten oder Kurzatmigkeit.
Bei jedem zweiten Patienten traten 3 oder 4 Symptome zusammen auf.
Bei Verdacht auf eine Hypersensitivitätsreaktion sollte Abacavir abgesetzt werden. Weitere Maßnahmen sind nur selten nötig. Bei Juckreiz können Antihistaminika eingenommen werden. Die Beschwerden bessern sich innerhalb von 1 -2 Tagen, der Hautausschlag bildet sich etwas langsamer zurück.
Seltener tritt eine HSR bei Therapie mit Nevirapin (Viramune®) auf.

Diagnostik und Prävention
In spezialisierten Zentren kann bei Verdacht auf eine Hypersensitivitätsreaktion ein Epikutantest durchgeführt werden. In retrospektiven Untersuchungen mit HSR konnte gezeigt werden, dass bei fast 90% der Patienten das Allel HLA-B5701* vorhanden ist. Bei diesen Patienten kommt es bei einer Therapie mit Abacavir zu einer CD8-Proliferation mit Freisetzung von Tumor Nekrose Faktor-α (TNF-α) und Interferon-γ (IFN-γ). Die PREDICT-Studie zeigte, daß 48% bis 61% der Patienten mit dem HLA-B-*5701-Allel eine Hypersensitivitätsreaktion auf Abacavir entwickeln, verglichen mit 0% bis 4% der Patienten, die dieses Allel nicht aufweisen. Deshalb sollten vor Beginn einer abacavirhaltigen Therapie die Patienten auf dieses Allel untersucht werden.

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Seite zuletzt geändert am 13.01.2014 09:26:00