Zerebrale Toxoplasmose
Maria Procaccianti
Erreger/Epidemiologie
Opportunistische Infektion; endogene Reaktivierung einer latenten Infektion mit dem Protozoon Toxoplasma gondii
Häufigste neurologische OI, nicht selten Erstmanifestation. Durch HAART Inzidenz um 50-60% rückläufig. Meist erst bei CD4-Zellen < 100/µl
Klinik
Subakute fokale Symptome (Mono- oder Hemiparesen, Sensibilitätsstörungen, Gesichtsfelddefekte, Aphasie, Ataxie), Vigilanzminderung, Wesensänderung, Kopfschmerzen, Fieber, epileptische Anfälle
Diagnose
Craniales CT oder MRT mit KM: solitäre oder multifokale raumfordernde Läsionen mit ring- oder nodulärer KM-Aufnahme und perifokalem Ödem
Liquor: unspezifisch verändert oder normal
Erregernachweis durch PCR unzuverlässig
Serologie: meist nur IgG-Durchseuchungstiter (85-10%%) nachweisbar, oft kein IgM, oft kein Anstieg von IgG-Titern;
Wichtigste Differentialdiagnose: ZNS-Lymphom. Diagnosesicherung durch Ansprechen auf empirische antibiotische Therapie; ggf. PET (i.d. Regel reichert ein Lymphom stärker an als Toxoplasmoseherde); ggf. stereotaktische Bx
Therapie
A Pyrimethamin 2x50 mg/d (nach 3 Tagen 50-100mg/d weiter)
+ Sulfadiazin 4x2 Tbl. à 500 mg/d
+ Folinsäure 1x1 Tbl. à 15 mg/d
B statt Sulfadiazin:
Clindamycin 4x 1Amp. à 600 mg i.v. oder 4x1 Tbl. à 600 mg
C Alternative bei schwerer Unverträglichkeit von Sulfadiazin:
Atovaquone 2x10 ml (2x1500 mg) Akuttherapie über 4 bis 6 Wochen
Prophylaxe
Sekundärprophylaxe: wie Akuttherapie, aber halbe Dosierungen. Absetzen ab CD4-Zellen > 200/µl > 6 Monate (Voraussetzung: MRT normal bzw. kein KM-Enhancement)
Primärprophylaxe: immer bei CD4-Zellen < 100/µl und Durchseuchungstiter für Toxoplasmose; Absetzen ab CD4-Zellen > 200/µl > 6 Monate
Cotrimoxazol 960 mg 3 x pro Wo,
alternativ:
Dapson 1x2 Tbl. à 50 mg, oder Dapson 1x1 Tbl. à 50 mg
+ Pyrimethamin 1x2 Tbl. à 25 mg/Wo
+ Folinsäure 1x2 Tbl. à 15 mg/Wo Link zu US-amerikanischen Guidelines (v. 10.04.2009): http://aidsinfo.nih.gov/contentfiles/Adult_OI_041009.pdf |